Allgemein-medizinische Themen

Biotin-Interferenzen bei Laboruntersuchungen

Die Popularität von Biotin als rezeptfrei erhältliches Nahrungsergänzungsmittel hat zugenommen. Biotin, auch als Vitamin H und Vitamin B7 bezeichnet, wird häufig Multivitamin-Präparaten oder Schönheitsprodukten für Haare und Nägel zugesetzt und durch den Patienten selbstadministriert in höheren Dosierungen eingenommen.

Obwohl die für Erwachsene empfohlenen tägliche Aufnahme mit 30 – 70 μg/Tag angegeben wird, sind teilweise „ernährungsphysiologische“ Empfehlungen von 5.000 µg (5 mg) bis zu maximalen Einzeldosen von 15.000 µg (15 mg) im Umlauf, was zu Serumspiegeln von 10 – 50 µg/l führen kann. Da eine Vielzahl von immunologischen Testverfahren in der Laboranalytik auf einem Reaktionsprinzip mit Streptavidin-Biotin-Komplexen basiert, ist bereits bei diesen Serumkonzentrationen mit Interferenzen zu rechnen. Je nach Assay-Konfiguration (kompetitiv/nicht-kompetitiv) besteht das Risiko, dass falsch-hohe oder falsch-niedrige Werte ermittelt werden. Zu dieser Problematik hat auch das BfArM in einem Rote-Hand-Brief am 15.5.2019 informiert.
Wir haben inzwischen genauere Daten zu den betroffenen Immunoassays erhalten und werden ab der KW 22/2019 die Analyte in unten aufgeführter Tabelle mit einem Hinweistext versehen. Grundsätzlich betreffen die Interferenzen ausschließlich Immunoassays. Die Basisuntersuchungen der Klinischen Chemie (Enzymatik, Elektrolyte, Photometrie) werden nicht beeinträchtigt. Bitte beachten Sie, dass sich der hoch-sensitive Troponin-Assay aktuell noch nicht in der Routine befindet, aber kurz vor der geplanten Einführung steht.

Durch Biotin verursachte Testinterferenzen sind zwar seltene Ereignisse, sollten jedoch bei Widersprüchen zwischen dem klinischen Bild des Patienten und dem Laborbefund sowie bei unklarer Einnahme von Biotin-Präparaten in Betracht gezogen werden. Je nach eingenommener Dosis ist dann eine Wiederholungsmessung mit neuer Blutabnahme nach Absetzen des Biotins für wenigstens zwei Tagen zu empfehlen. Es wird empfohlen, vor Laboruntersuchungen den Patienten nach der Einnahme von Biotin-Präparaten zu fragen.
Darüber hinaus werden derzeit im Rahmen von klinischen Studien extrem hohe Biotin-Dosen bei Multipler Sklerose angewandt (300 mg pro Tag). Bei diesen Patienten sind nochmal deutlich mehr Interferenzen und damit verbunden unplausible Laborbefunde zu erwarten. Sofern Sie solche Patienten behandeln und Laboruntersuchungen planen, können wir Ihnen auf Wunsch eine Liste aller betroffenen Analyte zur Verfügung stellen.

Für weitere Informationen stehen Ihnen Frau Dr. Susan Hertel, Tel.-Nr.: 0355 58402-68 und Herr Dr. med. Karsten Mydlak, Tel.-Nr.: 0355 58402-11 zur Verfügung.

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Fortbildung - Aufbereitung von Medizinprodukten 05.08.2019

Verpassen Sie nicht unsere "äußerst hygienische" Fortbildung zum Thema Aufbereitung von Medizinprodukten in Kooperation mit dem Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit.

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Nierendiagnostik
Dickkopf 3 identifiziert Patienten mit Risiko eines postoperativen Nierenversagens 30.07.2019

Die Arbeitsgruppe von Dr. Dr. Timo Speer und Prof. Dr. Danilo Fliser veröffentlichte in „The Lancet“ eine wegweisende Studie, die zeigt, dass die präoperative Bestimmung von Dickkopf 3 (DKK3) im Urin sicher erlaubt, die Patienten zu erkennen, die nach der Operation ein akutes Nierenversagen entwickeln.

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Gynäkologie, Onkologische Diagnostik
Beschluss des G-BA zur Zervixkarzinomfrüherkennung 01.07.2019

Der Gemeinsame Bundes­ausschuss (G-BA) hat beschlossen, in Zukunft zur Zervix­karzinom­früh­erkennung den HPV-Nachweis als Routine­diagnostik aufzunehmen und die Screening­intervalle zu ändern. Der Beschluss tritt zum 01. Juli 2019 in Kraft.

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